Lycée Bethlehem

 

 

 

Im Rundbrief 2009 berichteten wir vom Wunsch der Evangelischen Kirche Piéla nach einer Sekundarschule (CEG) - entspricht in etwa der deutschen Realschule. In unserem Rückblick 2010 konnten wir bereits Bilder vorzeigen, die den Baubeginn dieser Schule dokumentierten. Bei unserem Projektbesuch im Januar 2011 wurden wir zu dem grandiosen Schuleinweihungsfest geladen, obwohl die Schule bereits seit Oktober 2010 in Betrieb ist. Man hat auf unseren Besuch gewartet. Die Schule nennt sich nun „LYCEE PRIVE BETHLEHEM D’EGLISE EVANGELIQUE PIELA“. Also „Privates Gymnasium Bethlehem der Evangelischen Kirche Piela“. Auf das Gymnasium kommen wir später noch zu sprechen. Gebaut wurde 2010 ein vier-klassiges Schulgebäude als CEG (Realschule) mit einem Verwaltungsgebäude. An den Baukosten von 48.830 € beteiligte sich das Land Baden- Württemberg mit einem Zuschuss von 22.000 € . Der Eigenanteil der Evangelischen Kirche Piéla betrug 4.830 €. Die ausführende Firma war ein einheimischer Bauunternehmer. Genauso wie der Hersteller der Schulmöbel, der seinen Sitz ebenfalls in Piéla hat. Dies trägt sicherlich zur Stärkung der regionalen Wirtschaftskraft bei. Die Kirchenmitglieder haben mit Charrettes (Eselkarren) Steine, Sand, Kies und Wasser zur Baustelle angeliefert. Den Aufschrieben nach müssen es einige Tausend Karren gewesen sein, bewertet mit 3.945 €. Die Evangelische Kirchenkasse Piéla hat noch 885 € in bar zum Bau beigesteuert. Das sind zusammen die 10 % der Bausumme, die vom Land Baden-Württemberg im Rahmen des staatlichen Zuschusses vom Projektträger vor Ort als Eigenleistung verlangt werden. An der Schule gibt es 4 Klassenlehrer und 4 Fachlehrer u.a. auch von den staatlichen Schulen, die stundenweise unterrichten. Besoldet werden sie von der Evangelischen Landeskirche Fada N´Gourma. Die Abrechnung der Baumaßnahme ist mittlerweile erfolgt und vom Land Baden-Württemberg genehmigt. Rundbrief 2011 - Seite 3 Rundbrief 2011 - Seite 4 Von der Logik des normalen Einschulungsablaufes her erwarteten wir nun eine volle Schulklasse, höchsten noch eine zweite (zweizügige) Klasse, also die ersten Schüler aus der von uns vor 30 Jahren gebauten Primarschule (Grundschule), die nun in die „erste“ CEG-Klasse gehen können. Weit gefehlt! 134 Schüler und 131 Schülerinnen (265) verteilen sich auf die vier neu gebauten Klassenzimmer und zusätzlich noch auf einen Jugendraum der Ortskirche, in dem sich 96 Jugendliche auf ihre Abschlussprüfung vorbereiten. Die erste Realschul-Klasse ist bereits zweizügig geführt mit 114 Schülern, die Klassen zwei und drei haben 25 bzw. 30 Schüler. Woher kommen diese vielen Schüler? Von den vielfältigen Erklärungen der Schulverwaltung sind zwei davon für uns nachvollziehbar. Es sind zum einen die „freiwilligen Schulwechsler“ von den CEG-Klassen der örtllichen staatlichen Schulen, die an die Bethlehem-Schule wechselten und zum anderen sind es Schüler, die an den staatlichen Schulen das Klassenziel nicht erreichten, also sitzen geblieben sind. Nach zweimaligem Sitzenbleiben hat der Schüler nur noch an einer privaten Schule eine Chance sein Schulziel zu erreichen. Und offensichtlich haben das auch viele genutzt. Wenn man verfolgt hat, wie die Evangelische Primarschule seit vielen Jahren überdurchschnittliche Schulergebnisse erzielt hat - aufgrund guter Lehrer und Lehrerinnen und einer guten Schulleitung - so ist nachvollziehbar, dass viele der Schulwechsler die Hoffnung haben - wir übrigens auch - dass die Schulqualität am Evangelischen CEG ebenfalls sehr gut ist und ihre Chance, das Schulziel - bei uns wäre das die Mittlere Reife - zu erreichen größer ist als an einer staatlichen Schule. Das Schulgeld an der Bethlehem-Schule beträgt mit rd.30 € ca. das 10-fache der staatlichen Schulgebühr. Als wir (Erwin Wiest, Stellv.Vorsitzender, Werner Altvater, Kassier und Projektbearbeiter und Isolde Altvater) die Schule im vergangenen Januar zum ersten Mal besuchten, prangte auf einer Hinweistafel bereits der Schriftzug „LYCEE PRIVE BETHLEHEM D’EGLISE EVANGELIQUE PIELA“. Wie kam es zu diesem schulischen Aufstieg. Die Schulleitung gab uns folgende protokollierte schriftliche Erklärung: „Nach den Bestimmungen für weiterführende Schulen in Burkina Faso hat ein Collège d’Enseignement Générale (CEG) vier Klassen und beim Lycée kommen drei weitere Klassen hinzu. Das burkinische Bildugsministerium hat angemerkt, dass 85% der CEGs nach 5 bis 10 Jahren des Bestehens eine Umwandlung in ein Lycée beantragen, was erneut einen langen und teuren Verwaltungsaufwand bedeutet. Daher haben sie uns bereits jetzt den Titel eines Lycée gegeben; nur um zu ermöglichen, dass wir mit den letzten drei Lycée-Klassen weitermachen können, sobald wir es für nötig halten und die Räumlichkeiten für diese drei Klassen vorhanden sind. Es wird also keine weiteren bürokratischen Schritte oder Ausgaben für die Umwandlung geben. Im Moment funktioniert alles auf der Basis eines CEG..“ Die Verantwortlichen der Evangelischen Schulverwaltung haben schnell reagiert und beim Förderverein liegt bereits ein Antrag auf Bau eines weiteren drei-klassigen Schulgebäudes mit einem Tiefbrunnen für die gesamte Schulanlage und einer Lehrerwohnung. Ob wir die beantragte Bibliothek und die Elektrifizierung der Schule - 16.000 bzw. 10.000 € - mit in unsere Planungen aufnehmen ist eher unwahrscheinlich, da dies an der Finanzierung in Deutschland scheitert, obwohl wir die Gelegenheit nutzen werden, beim Land Baden-Württemberg wieder einen Antrag auf Zuschuss zu stellen. Die Antragsfrist endet am 30. 4. 2011.